Segeln in der Karibik

29. März 2020

Gefangen im Paradies!

 

So sind die reißerischen Überschriften einiger Artikel diverser Magazine in den letzten Tagen gewesen, die über die festsitzenden Segler in der Karibik berichteten. Wir gehen jedoch derzeit sehr gelassen mit unserer Situation um und das nicht grundlos. Denn wir fühlen uns ganz gut vorbereitet für das, was vor uns liegt. Der Plan Mitte Mai zurück nach Deutschland zu segeln, steht nach wie vor. Ich wollte sowieso eine Atlantikrunde fahren und hatte ursprünglich geplant, einhand über die Azoren und dann durch den englischen Kanal in die Niederlande zu fahren, wo ich Anfang September ankommen wollte.

 

Hier auf Martinique herrscht Ausgangssperre und das gilt auch für Segelboote. Genauso wie an Land sind auch hier Besuche untersagt. Landgänge sind auf Supermärkte, Apotheken, Ärzte und Essens-Lieferservice zu beschränken. Aber auch für eine Stunde Sport ist es erlaubt, an Land zu gehen. Tatsächlich gibt es hier auch einen Imbiss, in dem die Gerichte über die Ladentheke verkauft werden dürfen. Eine Ausgangsgenehmigung stellt man sich nach vorgegebenem Muster selber aus. Die Gendarmerie patrouilliert und kontrolliert.

 

Gestern hatten Anke und ich einen Landgang gemacht, weil wir zur Apotheke mussten und auch noch etwas einkaufen wollten. Als ich vor dem Supermarkt auf Anke wartete, kam die Gendarmerie vorbeigefahren und drei Gendarmen kamen aus dem Auto und befragten einen anderen Passanten, der gerade zum Supermarkt wollte. Ich zückte meinen Reisepass, meine Ausgangserlaubnis und mein Einklarierungsdokument und dachte, gleich fragen sie mich. Aber mich musterten sie nur kurz mit meinen Dokumenten in der Hand, stiegen wieder ein und fuhren weiter. Regelmäßig fliegt ein Hubschrauber über der Bucht und die Gendarmerie patrouilliert auch auf dem Wasser. Die Ausgangssperre ist hier bis zum 15. April verlängert worden und ob es eine weitere Verlängerung geben wird, hängt wohl davon ab, wie sich die Zahlen der Coronafälle entwickeln werden.

 

Wir haben übrigens die letzten Tage in der Bucht von Le Marin liegend genutzt, um uns weiter zu verproviantieren. Das Geheimnis der vollen Regale bei all den Hamsterkäufen in der ersten Woche der Ausgangssperre konnten wir auch lüften. So erzählte uns ein Segler, der schon seit einigen Jahren von hier seine Törns mit Chartercrew macht, dass er die Regale in den Supermärkten noch nie so voll gesehen hat. Der Grund dafür sind die ausbleibenden Chartergäste, denn in Le Marin ist eine große Charterbasis. Da vieles importiert wird, läuft natürlich der Nachschub erst einmal weiter. Wir haben also großes Glück und ein Versorgungsengpass in den nächsten Monaten ist wohl eher unwahrscheinlich.

 

Vorgestern wollten wir den Anker aufholen, zur Tankstelle fahren und uns dann in die angrenzende Bucht von Sainte-Anne verlegen. Selbst das wird hier von der Gendarmerie noch geduldet. Leider habe ich den Anker nicht hoch bekommen, da er sich am Grund verhakt hatte. Ein Nachbarboot hatte schon ein ähnliches Problem und sie mussten tauchen. Ihr Anker hatte sich in einer alten große Ankerkette verhakt. Glücklicherweise sind wir hier gut vernetzt. Neben den WhatsApp-Gruppen Sailing Home und Sailing Home Germany sind wir noch in der Gruppe Sainte-Anne und Le Marin. Wir haben viele Kontakte geknüpft und viele nette Menschen kennen gelernt. Jenny von der Segelyacht Solviento hat Franc informiert und der Franzose kam gestern Morgen vorbei, ist mal kurz runter getaucht und hat den Anker befreit. Auch wir hingen in der alten Ankerkette. Die Hilfsbereitschaft in der kleinen Gemeinschaft ist echt toll.

 

Wir sind dann gestern zur Tankstelle gefahren und haben alles noch einmal voll gemacht.

Nun liegen wir vor Sainte-Anne. Es ist ein traumhafter Ort mit schönem klaren Wasser, Schildkröten schwimmen zwischen den Booten und das Wetter ist natürlich auch unschlagbar. Saint-Anne selbst wirkt jedoch wie ausgestorben, wie wir gestern sehen konnten. Aber man kann erahnen, wie viel Leben hier sonst sein muss.

 

Hier bleiben wir auch bis zur geplanten Abfahrt. Im Moment organisieren wir uns mit anderen Seglern, um möglichst in Verbänden die Rückfahrt anzutreten. Jedoch erscheint es mir schwierig in einer Flotte zu fahren, da die Boote alle unterschiedliche Geschwindigkeiten haben. Ich bin erst einmal mit einer Segelyacht verabredet, die derzeit auf Guadeloupe liegt, die fast genauso lang ist wie die Jambo und ähnliche Etmale erzielt. Wahrscheinlich bin ich etwas schneller und ich würde mich mit der Geschwindigkeit anpassen. Denn nur so geht es. Boote mit ähnlichen Geschwindigkeiten fahren gemeinsam los und das langsamste Boot gibt die gemeinsame Geschwindigkeit vor.

 

Anke möchte gerne noch vor der Abfahrt per Flieger nach Hause, falls das gehen sollte. Andernfalls würde sie mit mir zu den Azoren segeln und wir hoffen, dass im Juni möglicherweise dort die Flughäfen schon wieder offen sind und sie dann von dort fliegen könnte. Falls das nicht der Fall sein sollte, würden wir gemeinsam weiter segeln. Ganz schön mutig von Anke, aber an meiner Seite würde sie es wagen.

 

Wie schon am Anfang erwähnt, wir fühlen uns ganz gut vorbereitet für das, was vor uns liegt. Aber das geht nicht allen Crews in der Karibik so. Viele hatten andere Pläne als nach Deutschland zu segeln und wollten ihr Boot zu den hurrikan-sicheren Inseln im Süden bringen, wo jetzt auch fast alles dicht ist. Andere wollten für die Atlantiküberquerung Crew einfliegen lassen, was im Moment auch nicht mehr geht. Und die Uhr tickt, denn ab Juni fängt hier die Hurrikan-Saison an, und man sollte sich dann nicht mehr mit seinem Schiff auf den kleinen Antillen aufhalten. Gerade im Norden bedeutet es meist den sicheren Verlust der Yacht und man bringt sich natürlich selbst auch in Gefahr, wenn man an Bord bleibt.

 

Im Süden kann es schon mal gut gehen und der erwähnte Segler aus Martinique hat hier in Le Marin schon einmal eine Saison an einer sehr guten Mooringboje überstehen können. Aber es ist ein Glücksspiel und nicht jeder kann sich darauf einlassen. Wir haben viel Verständnis für diese Segler, insbesondere wenn noch Kinder mit an Bord sind, die oft auch nicht auf eine Atlantiküberquerung vorbereitet sind. Wir hoffen, dass es gelingt, Crews einzufliegen oder Grenzöffnungen mit Quarantäne im Süden ermöglicht werden, damit Yachten dorthin verholt werden können.

 

Über eine Liste mit Rückkehrbooten sind unsere Daten an das Piraterie-Präventionszentrum der Bundespolizei weitergeleitet worden, die der zentrale Ansprechpartner für die deutsche Sportschiffahrt auf ihren Reisen um die Welt ist. Sie haben sich auch bei mir gemeldet und ich habe ihnen mitgeteilt, dass wir lediglich zeitnah zur geplanten Ankunft in Deutschland eine Info brauchen, wo man einklarieren kann und wie die Quarantänevorschriften sein werden. Unser Plan basiert natürlich auch darauf, dass wir denken, dass sich die Lage bis zum Sommer in Deutschland deutlich gebessert haben wird und wir irgendwo einen Liegeplatz bekommen werden. Ab September möchte ich wieder in den Niederlanden sein.

 

Mal schauen, ob das alles so umsetzbar sein wird. Aber nichtsdestotrotz werde ich auch dann einen Weg finden, wenn die Lage Zuhause noch schwierig sein sollte. Aber Zuhause bin ich ja eigentlich schon, denn die Jambo ist nach wie vor mein Lieblingsort und mit Anke zusammen ist es das beste Zuhause, was ich mir wünschen kann.


22. März 2020

Uns geht es vergleichsweise gut!

 

Wir liegen nun schon 5 Tage hier vor Anker. Auf Martinique herrscht wie in ganz Frankreich Ausgangssperre und Yachten sind festgesetzt. Aber wir haben nach wie vor Zugang zur Tankstelle für Wasser und Diesel und dürfen auch zum Supermarkt. Dafür habe ich mir eine handschriftliche Ausgangserlaubnis auf französisch erstellt nach Vorlage der Behörden.

Die letzten Tage haben wir genutzt, um uns zu verproviantieren. In den Supermarkt Leader Price kommt man nur in kleinen Gruppen hinein und manchmal muss man über eine Stunde warten bis man dran ist. Am Eingang werden bei jedem die Hände und die Griffe des Einkaufswagens desinfiziert. Der geforderte Mindestabstand zwischen den Einkaufenden beträgt 1 m. Das Personal trägt überwiegend Mundschutz und Handschuhe. An der Kasse wird nach jedem Kunden der Kassenbereich einschließlich Band desinfiziert. Genauso wie wir haben die Menschen bisher so viel eingekauft wie sie konnten.

 

Nach etwa 7 Tagen der Hamsterkäufe halten sie hier tatsächlich die Regale voll. Das ist für mich fast unglaublich! Es könnte tatsächlich sogar gut vorbereitet gewesen sein. Zumindest hat man das gute Gefühl, dass es keine Engpässe zu geben scheint. Ich denke, in der nächsten Woche normalisiert sich das Kaufverhalten. Wir haben auch mehr als reichlich Toilettenpapier an Bord und nutzen immer noch das Papier, welches ich auf Lanzarote gekauft hatte. Tja, wir Deutschen!

 

Obwohl wir hier vor Anker festsitzen und uns nicht frei bewegen können, hatten wir in den letzten Tagen keine Langeweile, da die Einkäufe sehr zeit-intensiv waren. Auch haben wir hier auf Martinique EU-Roaming und mobile Daten, was für uns gerade in der jetzigen Situation ganz wichtig ist, um mit den Lieben daheim und mit der Community in Kontakt zu bleiben und natürlich auch um aktuelle Entwicklungen verfolgen zu können. So konnten wir uns z. B. auch die Rede der Bundeskanzlerin anhören. Wir telefonieren sehr viel, schreiben und recherchieren im Internet.

 

Die Bucht hier wirkt sehr ruhig. Kontakte zwischen den Schiffen sind eher selten. Vereinzelt pendeln Yachten zwischen Ankerplatz und Tankstelle. Es ist anders als sonst, kein lebhaftes Treiben, keine SUP-Fahrer, kein Gelächter von Nachbarschiffen. Es wirkt surreal.

Aber wie gesagt uns geht es gut, das Wetter ist schön und die Temperaturen sind mit 27/28 Grad auch sehr angenehm. Abends gehen wir immer eine Runde schwimmen.

 

Wie geht es nun weiter? Anke‘s Rückflug ist für den 10. April angesetzt. Ob der Flieger gehen wird und sie dann nach Hause kommt, kann zum jetzigen Zeitpunkt wohl niemand sagen. Ich tendiere immer noch dazu, mit der Jambo nach Deutschland zurücksegeln.

In den letzten Tagen hat sich hier in der Karibik eine WhatsApp-Gruppe gebildet, wo sich rückreisewillige Segelyachten austauschen und in eine Liste eintragen. Kevin leitet die Gruppe und ist schon in Kontakt mit dem Maritimen Sicherheitszentrum in Cuxhaven. Wer noch dazukommen möchte, kann mir eine kurze Email mit der Telefonnummer schreiben (mjambo@t-online.de).

 

Mein Plan ist es, Mitte Mai hier den Anker aufzuholen und die Rückfahrt anzutreten. Ich stelle mich auf den schlechtesten Fall ein, nirgendwo anlegen zu dürfen und mich aus den 12-sm-Zonen heraushalten zu müssen. Denn wer weiß, was noch kommt. Das würde bedeuten, von hier westlich an den Azoren vorbei Richtung Hebriden zu segeln, danach nördlich an Schottland vorbei und dann auf südöstlichen Kurs Richtung Deutsche Bucht, um dann dort einzuklarieren, wo man vom MSC hingeleitet wird, dort ggf. in Quarantäne gehen und hoffentlich einen Liegeplatz zu bekommen. Das wären ca. 4500 bis 4800 sm und etwa 40 Tage. Aber die Reisezeit ist statistisch gesehen günstig.

 

Aber das wäre wirklich der schlechteste Fall und notfalls segelt natürlich Anke auch mit, falls sie per Flugzeug nicht nach Hause kommt. Noch kann man sich auf den Azoren verproviantieren, wenn man einen Lieferdienst in Anspruch nehmen kann, einreisen geht jedoch nicht. Noch kann man wohl durch den englischen Kanal fahren, wenn man nirgendwo anlegt. Noch dürfen wohl die meisten Yachten zumindest in ihre Heimatländer einfahren. Aber was in 2 bis 3 Monaten sein wird, kann heute wohl niemand sagen. Die Situation kann besser sein, aber auch schlechter.

 

Hier auf Martinique zu bleiben, ist keine Option, da man nicht vor den Hurrikans geschützt ist und ab Juli geht’s schon los. Ob man in den „Hurrikan Holes“ unterkommen kann und die Einreise dort erlaubt sein wird, kann man jetzt auch nicht sagen.

 

Wir warten es nun erst einmal hier ab und werden noch etwas Proviant kaufen. Das meiste haben wir schon und es würde schon reichen. Nur für den Fall, dass Anke mit mir segelt, fehlt noch ein wenig.

 

Aber wir sind nicht allein und die gute Vernetzung ist in diesen Tagen nicht nur hilfreich sondern kommt einem schon fast schon existenziell vor.


18. März 2020

In Le Marin läuft alles kontrollierter ab!

 

Gestern Abend haben wir den Anker in der Bucht weit draußen vor Le Marin fallen lassen und waren ziemlich fertig. Nach Nudeln mit Tomatensauce fielen wir fast wie tot ins Bett. Mir steckte ja auch noch die zweitägige Einhandfahrt von St. Barts mit Intervallschlafen in den Knochen. Ich hatte schon fast vergessen, wie hart es mit Intervallen von 30 bis 60 min ist.

 

Heute Morgen rufe ich meine britischen Freunde an, die es gestern tatsächlich noch geschafft haben einzuklarieren. Als sie sagen, dass die Tankstelle heute offen hat, muss ich das Gespräch schnell beenden und wir holen sofort den Anker auf und fahren mit Vollgas Richtung Tankstelle. Irgendwie muss es sich auch in der Bucht rumgesprochen haben, denn auf einmal sind ein paar Boote hinter uns, die ebenfalls in Eile in unserer Richtung fahren. An der Tankstelle sind 3 Boote vor uns und nach 30 min sind wir dran. Neben Diesel nehmen wir noch Wasser auf und ich kann sogar noch 2 zusätzliche Campingaz-Flaschen kaufen. Als wir ablegen, kreist wohl ein Dutzend weiterer Boote vor der Tankstelle.

 

Wir suchen uns den nächstbesten Ankerplatz und machen das Dinghi klar, mit dem ich zur Capitainerie fahre. Dort angekommen wartet man draußen vor der Tür, die nur einen Spalt geöffnet wird und ich werde gefragt, was ich wollte? ,,Customs Clearance“ sage ich. Der Mann mit dem Mundschutz nickt. Ich atme auf und bin erleichtert.

 

Man lässt immer nur 2 Personen gleichzeitig hinein und sofort nach Eintreten werden meine Hände desinfiziert. Das Einklarieren ist auch hier wie gewohnt auf den französischen Insel sehr unkompliziert. Auch an dieser Stelle noch einmal ein riesiges Kompliment an unsere französischen Nachbarn.

 

Der Dame, die mir aus gebührlichem Abstand, das gestempelte Dokument zur Unterschrift reicht, erzähle ich, dass gestern in FdF alles geschlossen war, worauf sie mit einem Ausdruck von Bedauern und Entschuldigen sagt: ,,These are crazy times“. Hier bleibt das Einklarieren erst einmal bis auf weiteres möglich, sagt sie. Es sieht wohl so aus, dass gestern in einigen Teilen von Martinique etwas überreagiert wurde. Grenzen zu schließen, heißt ja nich, Grenzstationen zu schließen ohne irgendwelche Informationen oder zumindest einem Aushang.

 

Hier in Le Marin geht man mit deutlich mehr Augenmaß vor und alles läuft scheinbar sehr kontrolliert ab. Supermärkte haben wohl auch zeitweise geöffnet, denn hier kommen immer wieder Segler mit ihren Dinghis vorbei, voll beladen mit Wasser und Lebensmitteln.

Hier bleiben wir erst einmal und kommen jetzt so langsam zur Ruhe nach dem Hals-über-Kopf-Abbruch des Männertörns in St. Barts und der gestrigen Aktion mit Proviant- und Dieselbevorratung.

 

Heinz, Klaus und Wilm haben es auch zurück nach Deutschland geschafft und sind gestern Abend bei ihren Familien angekommen. Glücklicherweise wurde die Entscheidung abzubrechen noch rechtzeitig getroffen. Wir sind in Gedanken auch bei unseren Lieben in Deutschland.

 

Ich bin froh, dass Anke bei mir ist. Zu zweit ist es einfacher und mit der Aussicht auf ausreichende Versorgung können wir es hier auch ganz gut aushalten. Ankes Rückflug ist für Mitte April geplant. Mal schauen, ob das klappt. Vielleicht kommt sie ja nicht raus und muss länger bleiben.

Was ich dann machen werde, mache ich von der Entwicklung der nächsten 2 Monate abhängig. Spätestens vor der Hurrikansaison muss ich von hier weg. Im Moment tendiere ich tatsächlich zur Rückfahrt nach Deutschland, da ich in solchen Zeiten gerne Zuhause bei meiner Familie bin und die medizinische Versorgung in Deutschland sehr gut ist. Von Mai bis Juli wäre der Zeitraum für eine solche Fahrt günstig so ähnlich hatte ich es ja auch ursprünglich geplant. Ich denke, bei entsprechender Verproviantierung wäre eine solche Fahrt auch ohne Stopp auf den Azoren mit der Jambo machbar. Aber ich werde erst einmal abwarten.


17. März 2020

Fort-de-France

 

Ich bin in den letzten beiden Tagen von St. Barts nach Martinique gesegelt und habe heute Morgen nach 240 sm gegen 6 Uhr an der Tankstelle in Fort-de-France angelegt, um hier einzuklarieren und Wasser und Diesel aufzunehmen.

 

Leider wurde gestern ein Dekret erlassen, was den Reiseverkehr stark einschränkt und ab 12 Uhr ist hier alles gesperrt, einschließlich des Autoverkehrs. Restaurants sind geschlossen und die Supermärkte so gut wie leer gekauft.

 

Anke hat hier die letzten 3 Tage in einer Pension gewohnt und war gestern noch einkaufen.

Heute Morgen um 8 Uhr sollte die Tankstelle aufmachen. Aber sie bleibt geschlossen. Also gibt es weder Diesel noch Wasser und einklarieren geht auch nicht. Zwei Briten kommen mit dem Dinghi vorbei, um ebenfalls einzuklarieren. Da hier nichts geht, wollen sie es im Customs Office am Quai de Paquebots versuchen. Wir tauschen vorher noch Telefonnummern aus.

 

Anke ist mittlerweile unterwegs zu mir mit der Vermieterin Marie und den Einkäufen. Die Briten kommen so gegen 9:00 Uhr wieder vorbei und lassen mich wissen, dass drüben auch alles geschlossen ist. Aber in Le Marin gäbe es noch eine Möglichkeit einzuklarieren.

 

Dann kommt Anke und wir sehen uns nach 2 1/2 Monaten endlich wieder. Wir hätten uns andere Umstände gewünscht. In Eile verstauen wir alles an Bord und Marie erklärt sich noch bereit mit uns zur Tankstelle zu fahren, wo ich in 6 Reservekanistern 130 l Diesel quetschen kann.

 

Jetzt haben wir gerade abgelegt und segeln Richtung Le Marin. Ob wir es rechtzeitig schaffen zum Einklarieren, ist fraglich, da der kleine Shop um 14 Uhr schließt. Der Wind ist nicht günstig und Diesel kann ich keinen mehr für eine Fahrt verschenken, denn wer weiß, wann ich wieder irgendwo tanken kann.

Ob es mit dem Einklarieren klappt, weiß man ja auch nicht. Hier soll wohl für die nächsten 14 Tage das öffentliche Leben auf ein Minimum heruntergefahren werden. Wir bleiben erst einmal unter dem Radar und das AIS empfängt nur noch und das Senden ist ausgeschaltet. Auch das Tracking auf Garmin habe ich ausgeschaltet.

 

Mich hat es hier schneller eingeholt als gedacht. Gestern noch an herrlichen Stränden und in tollen Beachrestaurants und heute mit dem nötigsten für ein paar Wochen versorgt und illegal in ein Land eingereist.

Aber zum Glück bin ich nicht alleine und Anke ist bei mir. Gemeinsam schaffen wir es. Auch mit Marie hat Anke die Telefonnummern ausgetauscht und sie will uns auch künftig helfen. Not schweißt zusammen. Wie es weiter gehen wird, ist ungewiss. Wann und ob es zurück nach Deutschland geht, ist auch ungewiss. Soweit denken wir im Moment nicht. Wir versuchen erst einmal über die Runden zu kommen. Ich fühle mich so, als hätte der Kampf ums Überleben begonnen. Was gestern noch undenkbar war, ist heute schon Realität.

 

 


15. März 2020

Abbruch des Karibiktörns wegen Corona Virus!

 

Auch hier in der Karibik eskaliert die Lage immer mehr. Am letzten Donnerstag hatte Sint Maarten ein Einreiseverbot für Menschen verhängt, die sich in den letzten 21 Tagen in Deutschland aufgehalten haben. Dies betrifft Heinz, Wilm und Klaus direkt, da sie am 9. März eingereist waren und am 10. März ausklariert hatten. Nun dürfen sie nicht mehr ins Land zurück, wodurch sie ihren Rückflug am kommenden Donnerstag nicht antreten können.

 

Wir sind gestern nach Saint Barth‘s gefahren und wollten in Ruhe die Rückreise organisieren. Anke, die ebenfalls nicht nach Sint Maarten reisen kann, hatte schon umgebucht und ist nach Martinique geflogen und wollte von dort weiter und uns heute hier in Gustavia treffen.

 

Da jedoch davon auszugehen ist, dass sich die Lage weiter verschlechtern wird, haben wir heute Morgen hier auf der Jambo in einer kurzen Krisensitzung entschieden, diesen Törn sofort abzubrechen. Heinz, Wilm und Klaus fliegen noch heute Mittag nach Martinique, um von dort zurück nach Hause zu kommen, da die Chancen auf Martinique wohl ganz gut sein müssten. Anke bleibt nun auf Martinique und ich segle in den nächsten 2 Tagen ebenfalls dorthin.

Alternativ hätten die Männer auch mit mir runter segeln können. Aber das hatten wir uns schon nicht mehr getraut, denn falls Martinique zwischenzeitlich ebenfalls ein Einreiseverbot erlassen würde, würden wir alle für knapp 2 Wochen in Quarantäne festhängen. Bei mir alleine sollte es kein Problem mit der Einreise sein, da ich seit Anfang Februar in der Karibik bin.

 

Aber wer weiß! Ich atme durch, wenn ich auf Martinique bin. Dort werde ich Anke treffen und wir werden uns erst einmal ordentlich verproviantieren. Wie es dann von Martinique später weiter geht, weiß ich noch nicht. Der Rückweg über die Azoren scheint im Augenblick nicht mehr möglich zu sein, da dort vorläufig bis zum 31. März keine Kreuzfahrtschiffe und Yachten anlegen dürfen. Ob das im Mai aufgehoben sein wird, ist fraglich. Also auch wir sind jetzt mittendrin.


13. März 2020

Ein kurzer Schlag zur Anse Marcel auf St. Martin

 

Die Bucht hat einen tollen Strand und ein richtig gutes Restaurant, natürlich französische Küche. Es ist ein weiterer toller Ankerstopp.


12. März 2020

Traumhafter Ankerstopp an der Insel Pinel, St. Martin

 

Gestern haben wir in der Simpson Bay aus Sint Maarten ausklariert und haben in der Marigot Bay einklariert für den französischen Teil der Insel. Am späten Nachmittag sind wir hier angekommen und bleiben mindestens 2 Nächte. Alles ist genau nach unserem Geschmack, tolle Bucht, herrlicher Strand und schöne Beach-Restaurants.


9. März 2020

Endlich Verstärkung!

 

Heute sind Heinz, Wilm und Klaus hier auf Sint Maarten gelandet. Ich bin vor ein paar Tagen von St. Kitts hierher gesegelt. Die nächsten 10 Tage sind wir zu viert unterwegs und werden die umliegenden Inseln erkunden. 


3. März 2020

Ausklariert in Jolly Harbour

 

Von Green Island bin ich weiter nach Long Island gefahren. Ursprünglich wollte ich östlich um Antigua bis zum Norden fahren, wo eine Passage durch die Riffe ist, denn die Ostseite ist durch die vielen Riffe und Untiefen nur an wenigen Stellen passierbar, wenn man zu den inneren Inseln möchte. Auch sind die Karten nicht verlässlich und weisen größere Abweichungen auf.

 

Da sehe ich plötzlich westlich von mir einen Katamaran im Zickzack durch die Riffe fahren. Ich schau auf der Karte nach und dort ist der Bird Islet Channel. Den zu nehmen, hatte ich mich nicht getraut, da die Passage sehr schmal ist und ein paar Abzweigungen hat.

„Aber was der Kat, kann ich auch!“ denke ich. Ich schau mir noch sein AIS-Signal auf der elektronischen Seekarte an, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wo ich lang muss. Dann hole ich die Segel rein und fahre unter Maschine hinein. Zusätzlich schalte ich noch den Forward-Scan ein, zu dem ich bisher noch kein rechtes Vertrauen finden konnte.

 

Der Kat ist schon weg und ich passiere das erste Korallenriff etwa 50 m an Steuerbord, der Adrenalinspiegel ist auf dem höchsten Stand seit langer Zeit. Dann 90 Grad über Backbord und kurz drauf 45 Grad Steuerbord, fast schon zu spät. Aber der Forward-Scan warnt mich. Dann noch zwei kleine Schlenker und ich bin durch!

 

„Geschafft! Juchhu“, dachte ich. Zwischen Long Island und Maiden Island komme ich dann den Untiefen zu nah, 2 m Wassertiefe, der Forward-Scan zeigt bei meinem Tiefgang von 1,55 m rot an. Ich fahre näher an Maiden Island und dort ist es besser. In der traumhaften Bucht lasse ich den Anker auf 2,7 m fallen und bin völlig fertig, aber nur kurz.

 

Schnell mache ich das Dinghi klar um zum Steg in der Bucht zu fahren, denn im Revierhandbuch steht, dass auch Segler in dem wohl sehr gehobenen Restaurant willkommen seien, wenn man sich an den Dresscode hält. An der traumhaft schönen Bucht selbst liegt ein Luxushotel.

 

Ich ziehe meine schönste Badehose und ein Poloshirt an und fahre zum Anlegesteg. Ich bin fast dort, als ein Security-Guard mich abfängt und informiert, dass hier alles privat sei. Dann fragt er sehr höflich, was ich denn wolle. Ich erkläre, dass ich zum Restaurant möchte. Ob ich reserviert hätte? Nein, deswegen wäre ich ja hier.

Der Guard lässt mich nicht anlegen und geht für mich zum Restaurant, um zu schauen, ob was frei ist. Ich warte im Dinghi. Kurz drauf kommt er zurück und sagt, dass das Restaurant leider komplett ausgebucht sei. Was für ein Pech für mich, also heute mal Brot mit Käse zum Abendessen.

 

Am nächsten Tag segle ich nach Barbuda und verbringe den ersten Abend in der Cocoa Bay, auch traumhaft schön, aber auch hier ein Hotel und kein Restaurant, also wieder Brot mit Käse.

Am folgenden Tag segle ich auf die Westseite der Insel in die Low Bay mit ihrem paradiesischen Strand. Absolut der Hammer! Mit dem Dinghi fahre ich in die Stadt Codrington, um endlich mal wieder warm zu essen. Der Ort entpuppt sich als verschlafenes Nest. In Google-Maps finde ich Wanda‘s Food Palace! Ambiente zwanglos! Klingt doch toll. Ich komme an und dort steht Wanda schon mit ihrem kleinen Stand vor der Bar mit ihren Töpfen und der ganzen Familie und einigen Gästen.

 

Ob ich was essen könnte. Ja, klar, „Fish or Chicken?“ „Chicken, please!“ Ich setze mich zu den anderen Gästen und genieße meine warme Mahlzeit. Aber es war richtig gut.

 

Tags darauf segle ich zurück nach Antigua, mache einen Stopp in der Dickenson Bay, die ganz o.k. ist und bin heute in Jolly Harbour gelandet und habe gerade ordnungsgemäß ausklariert. Es ist eine super schöne Zeit hier um Antigua und Barbuda gewesen und man erlebt doch so einiges. Morgen früh segle ich rüber nach Nevis und schaue mich dort mal um.


3. März 2020

Ausklariert in Jolly Harbour

 

Von Green Island bin ich weiter nach Long Island gefahren. Ursprünglich wollte ich östlich um Antigua bis zum Norden fahren, wo eine Passage durch die Riffe ist, denn die Ostseite ist durch die vielen Riffe und Untiefen nur an wenigen Stellen passierbar, wenn man zu den inneren Inseln möchte. Auch sind die Karten nicht verlässlich und weisen größere Abweichungen auf.

 

Da sehe ich plötzlich westlich von mir einen Katamaran im Zickzack durch die Riffe fahren. Ich schau auf der Karte nach und dort ist der Bird Islet Channel. Den zu nehmen, hatte ich mich nicht getraut, da die Passage sehr schmal ist und ein paar Abzweigungen hat.

„Aber was der Kat, kann ich auch!“ denke ich. Ich schau mir noch sein AIS-Signal auf der elektronischen Seekarte an, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wo ich lang muss. Dann hole ich die Segel rein und fahre unter Maschine hinein. Zusätzlich schalte ich noch den Forward-Scan ein, zu dem ich bisher noch kein rechtes Vertrauen finden konnte.

 

Der Kat ist schon weg und ich passiere das erste Korallenriff etwa 50 m an Steuerbord, der Adrenalinspiegel ist auf dem höchsten Stand seit langer Zeit. Dann 90 Grad über Backbord und kurz drauf 45 Grad Steuerbord, fast schon zu spät. Aber der Forward-Scan warnt mich. Dann noch zwei kleine Schlenker und ich bin durch!

 

„Geschafft! Juchhu“, dachte ich. Zwischen Long Island und Maiden Island komme ich dann den Untiefen zu nah, 2 m Wassertiefe, der Forward-Scan zeigt bei meinem Tiefgang von 1,55 m rot an. Ich fahre näher an Maiden Island und dort ist es besser. In der traumhaften Bucht lasse ich den Anker auf 2,7 m fallen und bin völlig fertig, aber nur kurz.

 

Schnell mache ich das Dinghi klar um zum Steg in der Bucht zu fahren, denn im Revierhandbuch steht, dass auch Segler in dem wohl sehr gehobenen Restaurant willkommen seien, wenn man sich an den Dresscode hält. An der traumhaft schönen Bucht selbst liegt ein Luxushotel.

 

Ich ziehe meine schönste Badehose und ein Poloshirt an und fahre zum Anlegesteg. Ich bin fast dort, als ein Security-Guard mich abfängt und informiert, dass hier alles privat sei. Dann fragt er sehr höflich, was ich denn wolle. Ich erkläre, dass ich zum Restaurant möchte. Ob ich reserviert hätte? Nein, deswegen wäre ich ja hier.

Der Guard lässt mich nicht anlegen und geht für mich zum Restaurant, um zu schauen, ob was frei ist. Ich warte im Dinghi. Kurz drauf kommt er zurück und sagt, dass das Restaurant leider komplett ausgebucht sei. Was für ein Pech für mich, also heute mal Brot mit Käse zum Abendessen.

 

Am nächsten Tag segle ich nach Barbuda und verbringe den ersten Abend in der Cocoa Bay, auch traumhaft schön, aber auch hier ein Hotel und kein Restaurant, also wieder Brot mit Käse.

Am folgenden Tag segle ich auf die Westseite der Insel in die Low Bay mit ihrem paradiesischen Strand. Absolut der Hammer! Mit dem Dinghi fahre ich in die Stadt Codrington, um endlich mal wieder warm zu essen. Der Ort entpuppt sich als verschlafenes Nest. In Google-Maps finde ich Wanda‘s Food Palace! Ambiente zwanglos! Klingt doch toll. Ich komme an und dort steht Wanda schon mit ihrem kleinen Stand vor der Bar mit ihren Töpfen und der ganzen Familie und einigen Gästen.

 

Ob ich was essen könnte. Ja, klar, „Fish or Chicken?“ „Chicken, please!“ Ich setze mich zu den anderen Gästen und genieße meine warme Mahlzeit. Aber es war richtig gut.

 

Tags darauf segle ich zurück nach Antigua, mache einen Stopp in der Dickenson Bay, die ganz o.k. ist und bin heute in Jolly Harbour gelandet und habe gerade ordnungsgemäß ausklariert. Es ist eine super schöne Zeit hier um Antigua und Barbuda gewesen und man erlebt doch so einiges. Morgen früh segle ich rüber nach Nevis und schaue mich dort mal um.


27. Februar 2020

Antigua, Green Island

 

Gestern habe ich nach 10 Tagen vor Anker in der Freeman Bay des English Harbour endlich den Absprung geschafft. Es war aber auch immer irgendetwas zu erledigen, Reparatur des Segels beim Segelmacher, Reinigung des Unterwasserschiffs, Wechseln einer Opferanode.

 

Die Unterwasserarbeiten haben Taucher durchgeführt vom Tauchservice "Schoolboy". Das Unterwasserschiff war ziemlich zugewachsen nach 11 Monaten im Wasser und über 6.000 sm. Für 135 USD haben die Jungs einen super Job gemacht und natürlich noch 30 USD Tip bekommen. Ich hatte tasächlich überlegt, die Jambo aus dem Wasser zu nehmen. So war es natürlich wesentlich einfacher und auch deutlich kostengünstiger.

Zwischendurch ist dann auch die elektrische Toilette kaputt gegangen, die ich glücklicherweise an einem Nachmittag selber bei 33 Grad unter Deck reparieren konnte.

 

Jetzt liege ich in einer traumhaften Bucht an Green Island und genieße einfach nur diesen tollen Ankerstopp.

 


15. Februar 2020

Antigua, English Harbour

 

Ich bin auf Antigua angekommen und habe den Anker in der Freeman Bay fallen lassen. Dies ist ein traumhafter Ankerplatz im English Harbour mit Palmenstrand.

 

Einklariert wird in den Ämtern im Nelsons Dockyard: Customs, Immigration und Port Authority. Leider hatte ich das Ausklarieren auf Guadeloupe verschwitzt. Das fand die Dame bei Customs überhaupt nicht lustig und hat mich verbal ganz schön abgewatscht. Ich musste dann einen handschriftlichen Brief an das Customs Office auf Guadeloupe schreiben mit allen Angaben und Begründung fürs nicht erfolgte Ausklarieren. Aber damit war es dann auch getan. War ja doch nett, dass ich nicht zurückgeschickt wurde. Danach ging’s zu Immigration und wieder zurück zu Customs und dann zum Zahlen zur Port Authority.

 

Der Ort ist hier wirklich traumhaft, ein absolutes Highlight meiner bisherigen Karibikreise. Ich bleibe hier wohl noch 5 Tage bis es auf Entdeckungstour an der Küste Antiguas weiter geht. Und ich konnte hier eine SIM-Karte für mobile Daten kaufen. Endlich!


7. Februar 2020

Terre-de-Haut, Guadeloupe

 

Ein schöner Schlag zu dieser kleinen Insel, die so herrlich karibisch aussieht. Ich liege in der Bucht vor Anker. Das Wetter ist heiter bis wolkig und sehr angenehm mit 27 Grad.