Auf zu den kanarischen Inseln

21. Juni 2019

Von Warns (NL) nach Fécamp (F)

 

Bonjour aus Fécamp!

306 sm waren es von Stavoren in den Niederlanden bis hierher. Ich bin sehr gut gestartet und gleich die erste Nacht durchgefahren und hatte morgens Den Haag etwa 25 sm querab. Eigentlich wollte ich Blankenberge anlaufen. Da das 30-minütige Intervallschlafen jedoch so gut geklappt hatte und ich mich richtig fit fühlte, entschied ich auch die folgende Nacht durchzufahren. Der Wind hat mich an die englische Küste getragen. Dort bin ich auch geblieben und habe mich nördlich der Verkehrstrennungsgebiete gehalten. Nachts bin ich dann durch die Straße von Dover gefahren.

 

Mittags war ich in der Nähe von Eastbourne und habe bei gutem Westwind mit 5 Bft den Kurs nach Süden abgesetzt, um erst dass Verkehrstrennungsgebiet zu kreuzen und dann hart am Wind Richtung Cherbourg zu kreuzen. 

 

Leider funktionierte dann im Verkehrstrennungsgebiet auf einmal der Autopilot nicht mehr. Ich bin dann mit Stützruder weitergefahren und habe mit der Fehlersuche begonnen. Irgendwie habe ich dabei auch das Verkehrstrennungsgebiet halbwegs vorschriftsmäßig gekreuzt. Meine halbe Achternkabine musste ich ausräumen. Ich habe mit dem Spannungsmesser alles durchgemessen und der Autopilotcomputer scheint in Ordnung zu sein. Es scheint der Autopilotmotor zu sein. Er dreht zwar, aber kuppelt nicht ein, obwohl er die Steuerströme bekommt.

Mittlerweile hatte ich dann auch das Verkehrstrennungsgebiet (17 sm breit) verlassen und unter Stützruder bot sich Fécamp als erreichbar an.

Gestern Abend gegen 23:30 Uhr habe ich hier die Leinen festgemacht. Nette Belgier haben mit beim Festmachen geholfen und gefragt, wo ich denn her käme. Sie konnten es kaum glauben, dass ich in den Niederlanden los gefahren bin. Zufällig liege ich wohl auf demselben Liegeplatz wie vor 2 Jahren, als ich zum ersten Mal hier war.

 

Nun, mal schauen, wie es weitergeht und erst einmal das passende Ersatzteil besorgen.

 


26. Juni 2019

Die Jambo ist wieder repariert!

 

Es waren ein paar turbulente Tage. Noch am letzten Freitag wurde der neue Lewmar-Autopilotmotor per Express-Lieferung mit Ziel Port de Fécamp an mich versandt und die Zustellung war für Montag avisiert. Ganz herzlichen Dank an Tobias Lepper für die super schnelle Organisation.

 

Ich konnte die Lieferung verfolgen und alles verlief nach Plan. Mit dem Hafenbüro war alles abgesprochen. Den ganzen Montagmorgen habe ich Ausschau gehalten und unzählige Male kurz im Hafenbüro nachgefragt. Um 13:48 Uhr war das Paket plötzlich laut Sendungsverfolgung zugestellt und von jemandem namens Lemettais angenommen worden. Ich bin zum Hafenbüro, aber es war kein Paket da. Jemand mit dem Namen Lemettais arbeitet hier auch nicht. Da muss wohl der Fahrer irgendjemandem das Paket in die Hand gedrückt haben unter der Annahme, dass es sich um einen Mitarbeiter der Marina handelt. Was soll man dazu sagen?

 

Gestern habe ich kurzentschlossen einen Mietwagen genommen, bin nach Deutschland gefahren und habe von dort einen anderen neuen AP-Motor mitgenommen. Anke Wirtgen ist mir noch entgegen gefahren. Auch dafür herzlichen Dank!

 

Heute habe ich den Motor eingebaut und alles läuft wieder. Puh!  

 

Vielen Dank auch für all die vielen Tipps, die mich über verschiedene Wege erreicht haben. 

 

Eigentlich würde ich nun gerne weiter. Jedoch ist für morgen ums Cap de la Hague Starkwind mit Sturmböen angesagt. Bei den dortigen starken Strömungen ist es zu gefährlich. Bei Strom gegen Welle kann sich eine gefährliche See aufbauen, so wie wir das vor zwei Jahren erlebt hatten. Ich muss mir nur den Anfang meines eigenen Videos Herbstsee anschauen, um es mir noch einmal vor Augen zu führen.

 

Also ist die Abfahrt erst einmal auf Donnerstagnacht oder sogar erst Freitagmorgen verschoben je nachdem, wie es sich entwickelt. Danach sieht die Windvorhersage erst einmal ganz o.k. aus.

 

Schöne Grüße aus Fécamp! 

 


4. Juli 2019

Von Fécamp (F) nach Porto (P)

 

Porto ist erreicht und ich habe heute Morgen um 5.30 Uhr die Leinen in der Douro Marina festgemacht. 783 sm sind es bis hierher gewesen, einhand und non-stop, mein längster Schlag bisher.

 

Vor 6 Tagen bin ich in Fecamp gestartet, noch etwas niedergeschlagen vom Ausfall des Lewmar-Autopilotmotors und der vergeblichen ersten Zustellung des Ersatzmotors. 

 

Der erste Tag auf See ist gleich rau gewesen mit Windstärke 7, starken Strömungen und altem Seegang durch die Starkwindtage davor, die ich ja nach erfolgreicher Reparatur auch noch abwarten musste. Gegen Abend habe ich das Cap de la Hague erreicht und der Wind hatte schon nachgelassen. Mit ganz leichter Brise bin ich nachts zwischen den Inseln hindurch geglitten und habe Alderney an Steuerbord und Guernsey an Backbord liegen lassen. Es war fast still und ich habe vorne am Bug sitzend, dem leisen Plätschern der kleinen Wellen gelauscht. Ein unvergesslicher Moment! Danach war es auch mit dem letzten Hauch Wind vorbei und ich musste die Maschine anwerfen.

 

Je weiter ich am Samstag nach Westen Richtung Atlantik kam, desto besser wurde der Wind und irgendwo nordwestlich der Isle d'Ouessant konnte ich nachmittags wieder die Segel setzen. Nachts passierte ich die Insel in größerem Abstand, da der Strom schon gegenläufig war und näher an der Insel immer etwas stärker ist. Dann folgten zwei herrliche, sonnige und tiefen-entspannte Tage auf der Biskaya mit feinstem Segeln meist vorm Wind. Ich habe unzählige Delphine gesehen, die immer wieder vorbeikamen und mich mit ihren Rufen aus dem Schiff lockten. Dass sie einen rufen, ist mir vor zwei Jahren, als ich die Biskaya zum ersten Mal überquerte, gar nicht aufgefallen. Auch einen blasenden Wal konnte ich kurz sichten.

 

Je weiter ich dann nach Süden kam, desto kräftiger wurde der Wind, was erst sehr willkommen war, da wir bessere Fahrt machten. Aber am Dienstag blies es durchgehend mit 22 bis 30 kn aus Nordost. Ich hatte längst entschieden bis Portugal durchzufahren und war auf Kurs ums Cabo Vilan und an der Costa da Morte entlang. Die Wellen waren beeindruckend, geschätzt etwa 4 m hoch. Da sie sehr lang waren, war es kein Problem, denn die Jambo kommt gut klar damit.

 

Gerade als es in die Nacht hineinging, wurde es plötzlich und unerwartet richtig ruppig und wir wurden sehr kräftig durchgeschüttelt, obwohl wir mit 1200 m Wassertiefe eigentlich noch im tiefen Bereich waren. Es war schon stockduster und das wirklich unangenehme dabei ist, dass man nicht mehr sieht, was draußen um einen herum passiert. Man sitzt unter Deck, lässt den Autopiloten das Schiff steuern und spürt nur noch die dauernden heftigen Schläge, die die Wellen dem Boot grob zufügen. Dabei beobachtet man wie gebannt die verschiedenen Anzeigen, wie sich der Wind entwickelt und um wie viel Grad der letzte Brecher das Schiff aus der Kurslinie geworfen hat. Man ist im Stand-by-Modus mit Weste und Anklickleine, um notfalls das Schiff selbst zu steuern. Gleichzeitig hofft man, dass bitte jetzt nichts ausfällt oder kaputt geht.

 

Aber nach kurzer Zeit war es auch schon wieder vorbei, ich konnte südlicheren Kurs setzen, wir fuhren parallel zur Schelfkante und es wurde wieder normal ruppig unter Deck. Ich habe dann noch bis halb zwei an meinem Kartentisch gesessen, bis ich mich dann so langsam traute, ein wenig Schlaf zu suchen.

 

Gestern Morgen schlief der Wind dann ein und ich bin das letzte Stück bei schönem Wetter unter Maschine gefahren. Heute Morgen sind die Jambo und ich in den Rio Douro eingefahren und haben unseren Weg zur Marina gefunden.

 

Fast exakt 6 Tage und 6 Nächte sind es gewesen, einhand auf See, eine wunderbare Erfahrung und langweilig ist es nie gewesen. Irgendetwas ist immer gewesen und wenn ich mich gerade todmüde hingelegt hatte, kamen wieder Delphine und rissen mich mit ihren Rufen sofort hellwach aus der Koje.

 

Was ist gut gelaufen? Die Verpflegung war klasse. Dafür hatte ich natürlich gesorgt und habe mich unterwegs einfach nur verwöhnt. Der neue Kaffeevollautomat, den wir seit kurzem an Bord haben, ist schon jetzt für mich nicht mehr wegzudenken. Jeden Morgen habe ich nach dem Aufstehen an Deck gesessen, in frischer Morgenluft meinen Kaffee getrunken und aufs weite Meer schauend einfach nur still den Moment genossen.

 

Der Brotbackautomat, mit dem ich mir jeden 3. Tag ein frisches Brot auf See backen konnte, hat ebenfalls entscheidend zur Lebensqualität beigetragen. Auch das Intervallschlafen hat gut geklappt. Was mir nachts an Schlaf gefehlt hat, habe ich tagsüber versucht nachzuholen. Aber der durchgängige Tiefschlaf kann dadurch natürlich nicht ersetzt werden. Die Stromversorgung über die neuen Solarpaneele ist auch prima. Natürlich habe ich viel gefilmt und versucht, die Reise so gut wie möglich festzuhalten und die Stimmung einzufangen. Ob mir das gelungen ist, wissen wir erst später, wenn der Film fertig sein wird.

 

Was ist nicht so gut gelaufen? Da ist eigentlich wenig zu nennen. Dass meine Batteriebank nicht mehr die beste ist, wusste ich vorher schon. Die Kapazität reicht nicht, um die Nacht ohne Laden mit der Maschine zu überstehen, obwohl die Solarmodule ganz gut liefern. Aber das ist kein wirkliches Problem gewesen. Auf der Biskaya in der Nähe der spanischen Küste bei Starkwind wäre ich weiter draußen auf dem Atlantik wohl besser aufgehoben gewesen.

 

Und wie geht es mir? Einfach nur gut! Ich habe die Tage auf See genossen, habe es ohne Zeitdruck angehen lassen und bin so viel wie möglich gesegelt und das nicht nur, um die Dieselvorräte zu schonen und ohne Tankstopp durchzukommen.

 

Nun freue ich mich, dass Anke morgen anreist und wir eine schöne Zeit vor uns haben. Es geht gemütlich weiter nach Lissabon, zur Abwechslung zu zweit, ohne Nachtfahrten und mit einigen schönen Stopps.