Segeln an den kanarischen Inseln

15. August 2019

Ein herrlicher Schlag nach Tazacorte!

 

Der Tag beginnt windstill in der Marina Santa Cruz, was für mich kaum zu glauben ist, denn die Vorhersage sieht ganz anders aus, Windstärke 5 und nach Süden stärker werdend. Dass die Windstärke nach Süden zunimmt, ist zu erwarten aufgrund des Düseneffekts hier zwischen den Inseln.

 

Ich habe heute vor, nach Tazacorte auf der Westseite der Insel zu segeln und beim Ablegen kommt auch der vorhergesagte Wind auf, 4 bis 5 Bft. Es geht sofort raus auf den Atlantik und mit voll gesetzter Genua an Steuerbord machen wir etwa 5 kn Fahrt auf südlichem Kurs. Je weiter wir nach Süden kommen desto stärker wird jetzt auch der Wind und nach einer Stunde machen wir bei herrlicher Windstärke 6 schon über 6 kn Fahrt.

 

Kurz darauf sind es schon 7 Windstärken und da muss selbst ich dann vorm Wind reffen. Es ist schon ganz schön Druck im Segel und ich muß alle Kraft aufbringen, um es bei voller Fahrt aber gut flatternd etwa 1/3 reinzuziehen.

 

Danach geht es so richtig los und es bläst mit 32 bis 34 kn. Dazu kommen mittlerweile ganz schöne Wellenberge von hinten herangerauscht, die in ihren Kämmen brechen, geschätzt etwa 3 m hoch. Die Jambo surft sie mit 8 kn Fahrt durchs Wasser hinunter und sackt dann im Wellental mit ihrem Heck immer wieder ganz tief ein bis sie die nächste Welle von hinten wieder packt und in die Höhe hebt, damit sie die nächste Welle wieder hinunterschießen kann. Es ist ein auf und ab. Was für ein Ritt!

 

Dann sind wir unten an der Südspitze von La Palma und ich muss den Kuswechsel einleiten. Ich versuche erst gar nicht, dies unter Segeln zu machen, sondern werfe die Maschine an, rolle die Genua ein, ändere den Kurs und setze die Genua wieder zu 2/3 an Backbord. Es ist mir einfach zu riskant, dass das Segel bei einer Halse möglicherweise Schaden nimmt oder wir auf die Seite geworfen werden.

 

Dann geht es auf westlichem Kurs mit halbem Wind quer zu den Wellen weiter. Wir werden ganz gut durchgeschüttelt.

 

Und plötzlich ist es vorbei. Von fast einem Moment zum anderen flaut der Wind ab und kann sich anfangs nicht so recht für eine Richtung entscheiden. Wir sind im Windschatten der Insel. Was für ein Szenario? Die Genua flattert schlaff im Wind, nachdem sie kurz zuvor unter dem Druck des Windes zu bersten schien.

 

Ich werfe die Maschine an und fahre so die letzten zwei Stunden nach Puerto Tazacorte. Der Wind bläst mit 6 bis 7 kn von achtern und wir machen unter der Sonne La Palmas 5 bis 6 kn Fahrt. Es ist ganz schön warm.

Meine erste Segelerfahrung hier an den Kanaren gefällt mir schon richtig gut. In fast allen Törnführern wird das Revier als anspruchsvoll beschrieben und das ist es wohl auch.

 

Nun bin ich in der Marina Tazacorte angekommen. Es hat mir wirklich jeder, den ich unterwegs getroffen habe oder der mir geschrieben hat, empfohlen diese Marina anzulaufen. Und, ja, es ist richtig schön hier. Einfach toll! "That's the place to be!"

 

Ich bleibe hier zwei Nächte und schaue mir dann morgen den Ort an.


16. August 2019

La Palma!

 

 

Ich habe einen vollen Tag hier und nehme mir einen Mietwagen. Was macht man an nur einem Tag auf La Palma? Die meisten werden wahrscheinlich sagen: " Du brauchst 2 Wochen, mindestens!" Das stimmt wohl auch. Jedoch muss ich mir meine Zeit immer noch einteilen und möchte auch gerne noch ein paar andere Inseln sehen. Also suche ich mir zwei Ziele aus, den Vulkan San Antonio und die Sternwarten oben auf dem Gipfel eines der Vulkane.

 

Das Marinabüro ruft den Autovermieter an und eine halbe Stunde später habe ich einen roten Fiat Panda für 30 Euro. Los geht's! Erst einmal durch Tazacorte. Es ist ein ganz netter Ort und überall drum herum sind Bananenplantagen. Ich glaube, jeder verfügbare Flecken Erde ist hier mit Bananenstauden bepflanzt worden. Teilweise sind sie überdacht, da es wohl im Moment etwas zu trocken ist.

 

Weiter geht es Richtung Süden und auch hier auf La Palma ist das Autofahren an sich schon ein Erlebnis und macht selbst mir als A2-Staugeplagtem wieder Spaß. Tunnel so wie auf Madeira habe ich keine gesehen, genauso wenig wie talüberspannende Brücken. Hier wird alles in engen Serpentinen bis zur letzten Windung ausgefahren und es geht rauf und runter.

 

Am Vulkan ist ein kleines Besucherzentrum, wo man sich über die Entstehungsgeschichte der Insel mit den verschiedenen Vulkanausbrüchen informieren kann. Der San Antonio ist zuletzt vor 300 Jahren aktiv gewesen und hatte damals die Insel mit seinen Lavaströmen vergrößert. Dann komme ich zum Krater. Es ist ein toller Blick hinein und ich stelle mir in Gedanken vor, wie er wohl die Lava und Aschewolken in die Luft gespuckt haben mag. Aus meiner Sicht ist es ein lohnenswerter Besuch.

 

Danach wird kurz eingekauft, alles schnell an Bord verstaut und weiter geht's zu den Observatorien. 53 km sagt meine Navi-App. Nach 1 1/2 Stunden den Berg hinauf bin ich auf 2426 m über dem Meeresspiegel. Mein kleiner roter Panda macht dabei einen echt guten Job! Wahrscheinlich hat er die stärkere Maschine!

Hier oben ist eine Wahnsinnsaussicht auf die Teleskope über den Wolken, dann dieser riesige Spiegel, der scheinbar gerade im Bau ist oder repariert wird. Zu Fuß gehe ich weiter zur Aussichtsplattform und habe einen atemberaubenden Blick in tiefe Schluchten und das Vulkangebirgspanorama. Es ist echt der Hammer und ich bin tief beeindruckt.

 

Leicht aus der Puste komme ich danach wieder am Auto an. Es liegt bestimmt an der dünnen Luft hier oben, dass ich von den 10 min Fußweg und einigen Höhenmetern außer Atem bin. Zurück nach Tazacorte geht es mit meinem Panda bergab und etwas schneller.

 

Morgen möchte ich schon wieder weiter, gerne nach El Hierro. Das Starkwindfeld im Dreieck der Inseln La Palma, La Gomera und El Hierro sieht auf der Windkarte heute Abend schon deutlich freundlicher aus als noch heute morgen.

 


17. August 2019

 

57 sm nach Puerto de La Estaca auf Hierro!

 

Es geht für kanarische Verhältnisse recht früh los, gegen 8:30 Uhr. Es ist kaum Wind hier auf der Leeseite der Insel. Die Windvorhersage sagt in dem Dreieck La Palma, La Gomera und El Hierro etwa 6 bis 7 Bft voraus. Also fahren wir erst einmal unter Maschine auf südlichem Kurs. Der Wind sollte dann einsetzen, wenn wir aus dem Windschatten herauskommen. Ich kenne das ja schon dadurch, dass ich vor zwei Tagen auf umgekehrtem Kurs aus dem Wind heraus auf die Leeseite der Insel gefahren bin.

 

Nach 2 1/2 Stunden erreiche ich die Südspitze von La Palma und der Wind kommt erst einmal aus Westen. An der Windabrisskante der Landzunge bilden sich scheinbar Wirbel in großem Stil.

 

Dann sehe ich die ersten brechenden Wellen voraus. Da muss der Nord-Ost-Wind sein! Und dann kam er auch, erst 10 kn, dann 15 kn. Super, ich setze die Genua an Steuerbord erst halb, aber dann voll. 20 kn Wind sind es schon 2 Minuten später, aber passt. 5 Minuten später reffe ich schon bei 27 kn. Danach geht es mit guter Fahrt Richtung El Hierro, teilweise bei 7 bis 7,5 kn über Grund.

 

Aber dann muss ich noch weiter reffen, fast schon auf Sturmsegelgröße, da es nun mit 30 bis 34 kn bläst. So bleibt es dann auch über ein paar Stunden. Wir sind auf etwa 110 bis 120 Grad zum scheinbaren Wind und fast quer zu den Wellen, was bei etwa 2,5 m Wellengang und langer Welle glücklicherweise kein Problem ist. Zwischendurch gehen die Wellen rauf auf 3 m und die ein oder andere flutet das Cockpit, aber nur ein bisschen.

 

Dann bin ich etwa 7 sm vor El Hierro und mit einem Schlag ist der Wind fast weg. Ich muss tatsächlich die Maschine anwerfen. Dann kurz darauf endlich mal wieder Delphine, die ich seit Madeira nicht mehr gesehen haben. Toll, ich freue mich natürlich wieder sehr.

 

Dann funke ich, wie im Törnführer empfohlen Harbour Office Puerto de La Estaca auf Kanal 14 an. Ich bekomme keine Antwort. Na gut, Kanal 09 soll auch gehen, jedoch ich bekomme wieder keine Antwort. Dann gehe ich auf Kanal 16 und jemand bittet mich auf Kanal 14 zu wechseln. Es stellt sich heraus, dass es die Crew der Segelyacht Capella ist, die ich in Tazacorte getroffen hatte und den ganzen Tag vor mir mit demselben Ziel unterwegs gewesen ist. Ich werde informiert, dass hier niemand mehr im Hafenbüro sei, aber sie würden mir beim Anlegen helfen.

 

Alles klar! Ich informiere noch kurz, dass ich erst noch Fender und Leinen im Hafen machen muss, weil hier draußen zu starker Schwell steht, und ich etwa 10 min brauche. Da bekomme ich die Info, es doch besser draußen zu tun, da im Hafen die Fallböen unberechenbar seien und ich draußen besser dran wäre.

 

O.k., dann eben draußen, was aber mittlerweile einigermaßen geht, da der Schwell schon etwas nachlässt. Unter Böen bis zu 25 kn fahre ich dann in die Marina hinein, wo schon drei Helfer am Ponton stehen. Das Anlegen ist kein Problem, da habe ich in Holland schon unter heftigeren Bedingungen anlegen müssen. Alles gut und ich bin sehr dankbar für die Hilfe.

 

Es ist ein toller Tag und ein schöner Schlag hier herunter gewesen.

 


18. August 2019

 

Playa de Santiago auf La Gomera ist erreicht!

 

Ich verabschiede mich schon in der Nacht von meinem Plan in Puerto de La Estaca zwei Nächte zu bleiben. Der Wind bläst in Böen schon abends bis 36 kn und wirft mir dabei ein halb volles Glas Wein um. Nach dem Duschen brauchte ich mich nur kurz abtrocknen, denn den Rest besorgt der heiße und trockene Wind. Ich messe unter Deck bei guter Durchlüftung 31 Grad und nur noch 27% relative Feuchte.

 

Alternativen sind nach La Restinga im Süden der Insel zu fahren oder weiter nach La Gomera. Morgens checke ich die Windvorhersage und El Hierrio soll in den nächsten Tagen in einem Starkwindfeld bis 8 Bft liegen. Also wäre ich im Süden wohl nicht viel besser dran. Deshalb mache ich mich um 9:00 zum Fährterminal auf, wo der Hafenkapitän sein Büro haben soll. Hier nimmt die Hafenpolizei die Aufgaben wahr. Ich erledige die Formalitäten und wünsche, nur für eine Nacht zu bezahlen. Der Polizist fragt mich, ob es mir hier nicht gefällt, worauf ich erwidere, es sei wegen des Windes. Ja, im September und Oktober wäre es hier besser, sagt er noch.

 

Das Ablegen dauert ewig, da es etwa 15 Minuten braucht bis der Wind einmal wieder auf 20 kn runter ist. Ein freundlicher spanischer Stegnachbar hilft mir. Es klappt und wir sind froh, dass es glimpflich heraus geht.

Die Vorhersage gibt an, dass es um El Hierro am stärksten blasen soll und je weiter es nach Osten geht desto mehr sollte der Wind abnehmen, sogar bis zur Flaute bei La Gomera.

 

Noch im Hafen hole ich die Fender und Leinen rein und dann geht es raus auf den Atlantik, es bläst mit Stärke 7 aus Nordnordost und die Wellen rauschen im Mittel mit 3 m Höhe heran, sind aber dabei recht lang. Ich lege mir die Vorsegelreffleine ein Stück frei und belege sie, um die Genua nur ein Stück herauszuziehen. Leider verschätze ich mich mit der notwendigen Länge und die Genua kommt beim Setzen schon fast halb raus. Ich schaue mir den Windplot an. Es sind 35 kn und in der Spitze haben wir vorhin schon 46 kn gehabt. Ich denke nur für mich: "El Loco! Was mache ich eigentlich hier! Man soll sein Glück auch nicht übermäßig strapazieren."

 

Das ist auf jeden Fall zu viel Tuch für den Wind, aber es soll ja nach Osten weniger werden. 5 Minuten später reffe ich auf etwa 1/3 und fühle ich mich gleich wohler. Wir müssen so hart wie möglich an den Wind, um nach La Gomera zu kommen. 50 Grad zum scheinbaren Wind geht noch so gerade, um bei den Kursschwankungen erzeugt durch die Wellen immer Druck im Segel zu halten und ein Schlagen zu vermeiden. Wir fahren einen Kurs von etwa 100 Grad, aber das ist o.k. Hauptsache nach Osten und raus aus dem Starkwind.

 

Es läuft recht gut und die Jambo zieht ihre Linie die Wellen hinauf und hinunter sehr gut durch. Hier habe ich endlich auch die Gelegenheit zu testen, ob sich die Segeleigenschaften der Jambo durch meine Umbauten am Heck mit dem Geräteträger für die Solarmodule auf einem schweren Am-Wind-Kurs verschlechtert haben. Es sind hinten etwa 80 kg hinzugekommen, die ich vorne mit 50 m Ankerkette, die ebenfalls 80 kg wiegt, ausgleichen konnte. Die Jambo ist gut ausbalanciert und fährt die Wellen sauber hoch und runter. Selbst wenn dann einmal eine Welle ganz ungünstig seitlich kurz vor der Jambo bricht und sie dann noch einmal zusätzlich auf die Seite wirft, krängt die Jambo nur um weitere 10 Grad, taucht an Lee bis zu den Reelingsfüßen ein und ist schnell wieder oben. Alles ist wie vorher und die Jambo macht einen guten Job auch unter diesen extremen Bedingungen.

 

Je weiter wir nach Osten kommen, um so weniger stark bläst der Wind. Schnell ist er runter auf Windstärke 6 und ich kann das Großsegel halb dazu setzen. Nach 25 sm sind wir aus dem Starkwindfeld raus. Ich merke es erst gar nicht, da ich mich ein wenig hingelegt hatte, weil ich so müde war, denn viel Schlaf hatte ich in der Nacht davor nicht bekommen. Als ich durch eine Funkmeldung geweckt werde, fährt die Jambo schon ganz ruhig und der Wind bläst nur noch mit 15 kn. Sofort setze ich moderat mehr Tuch und kann den Windwinkel erst auf 40 Grad und dann auf 35 Grad setzen.

 

Gleichzeitig dreht der Wind und nimmt weiter ab, Windstärke 4, volles Tuch, dann Stärke 3 und wir sind auf direktem Kurs zur Playa de Santiago. Herrlich, was für eine Wohltat und was für ein schönes Segeln, zwar nur mit 4 kn Fahrt, aber alles ist gut.

 

Plötzlich sehe ich an Backbord voraus irgendetwas im Wasser, hellbraun. Bestimmt ein Stück Holz, denke ich so. Doch es bewegt sich. Flugs ist die Kamera draußen und ich fahre gemütlich in 5 m Abstand an zwei spielenden Schildkröten vorbei. Was für ein Erlebnis für mich. Die Delphine muntern mich immer auf, Wale sowieso und Schildkröten natürlich auch. Klasse!

Kurz darauf ist es mit dem guten Wind vorbei und ich fahre das letzte Stück unter Maschine und wieder passiere ich zwei Schildkröten.

 

Nun liege ich vor Anker vor der Playa de Santiago auf La Gomera. Drüben ist ein wenig Infrastruktur. Ich mache morgen das Dinghi klar und fahre hinüber.

 


19. August 2019

Ankerstopp an der Playa de Argaya!

 

Die kleine Bucht liegt kurz vor Puerto de Vueltas. Nach kurzer Fahrt von Santiago fällt der Anker 120 m vorm Strand auf etwa 9 m Tiefe. Die See ist ruhig und nur eine leichte Brise geht durch die Bucht. Hier sind auch mal wieder ein paar andere Segelyachten. Es ist sehr schön und mir gefällt es gut.

 

Ausruhen und Schwimmen ist angesagt. Ich möchte mich ein wenig von den rauen Tagen auf See erholen.